artinzurich

Lampenausstellung im Zürcher Brockenhaus

Posted in Uncategorized by artbookas on Dezember 9, 2009

Das Zürcher Brockenhaus an der Neugasse 11 (das rosarote in der Nähe des Bahnhofs) stellte Lampen aus den vergangenen 6 Jahrzehnten aus. Vintage- oder Retrodesign, wie man das heute nennt. Sehr begehrt und beliebt. Die Ausstellung hätte eigentlich nur bis Ende November dauern sollen, wurde aber aufgrund der vielen Besucher noch um eine Woche verlängert. Ich hatte Glück und konnte noch vorbeischauen. Die ausgestellten Lampen waren nach Farbe geordnet, viel in Gelb und Orange, einige sehr extravagante Stücke, futuristisch anmutendes Design, einige Stücke, die so pelzig sind, dass sie glatt einer von Maurice Sendaks wilden Kerlen sein könnte. Ich hätte gerne die eine oder andere mitgenommen, leider war das meiste schon verkauft, die Ausstellung ist vorbei, die Lampen hängen nun woanders. Bleibt zu hoffen, dass das Brocki bald wieder etwas Ähnliches auf die Beine stellt. Für die Liebhaber von Retro-Designstücken eine Fundgrube an preiswerten Schätzen.

Heute abend

Posted in Uncategorized by artbookas on Dezember 9, 2009

Raphael Yoshitomi in den Arkaden des Helmhauses, vorgestellt von SodaPix und Drucklive. Eine 1-tägige Ausstellung des japanischen Fotografen mit 11 Bildern. Beginn ab 19:00, Nachdrucke der Bilder können in einer limitierten Auflage exklusiv unter www.drucklive.ch bestellt werden. Enjoy.

Horst Hamann – Downtown

Posted in Uncategorized by artbookas on November 29, 2009

Hamanns Bilder des Zentrums oder eben Downtowns kleiner amerikanischer Städte sind weder lebendig noch geschäftig noch zeigen sie Menschen beim fröhlichen Konsum oder hartem Arbeiten, wie das in Downtowns so häufig der Fall ist. Gerade in den weitflächigen USA sind Kleinstädte oft eine Verstreuung vieler Häuser über eine grosse Fläche hinweg, ein Zentrum besitzen sie, auch wenn dies häufig nur geografisch verortet ist. Dies ist das Downtown, das Hamann auf seiner Reise von Osten nach Westen thematisiert hat. Dass es nicht immer der lebendigste Ort des Ortes sein muss, zeigt der Bildband sehr deutlich. Geschlossene Geschäfte, heruntergekommene Fassaden, kein Mensch weit und breit, viel Platz rundherum, Ghosttowns. Melancholie scheint eines der dominierenden Gefühle zu sein in diesem Bildband, man sieht überall Zeichen vergangener menschlicher Tätigkeit und Präsenz, Autoreifen, herumstehende Autos und Schaufensterpuppen in Brautkleidern, aber keine Menschen. Die Weite des Landes lässt viele scheitern, die Möglichkeit des Wegzugs eröffnet neue Wege, scheint Hamann sagen zu wollen und gibt der Strasse in vielen der Bilder eine untergeordnete, aber dennoch wichtige Rolle. Die Strasse, die der nordamerikanischen Seele, die in der Weite des Landes manchmal verloren scheint, hilft, wegzugehen, fortzufahren und spiegelt so eine Charaktereigenschaft der US-Bürger wieder: immer bereit sein, Neues zu wagen, immer mobil sein, flexibel. Wohin der Weg führt, scheint dabei häufig unwichtig, Hauptsache, man ist unterwegs. On the road eben.

Auf www.buch.ch ist eine limitierte und signierte Version mit 55 Bildtafeln auf 128 Seiten erhältlich.

Bury the what?

Posted in Kunst im Netz, Uncategorized by artbookas on November 18, 2009

Als ich vor ca. einem Jahr im 20min einen Artikel über zwei Zürcher gelesen hatte, die einen Jumbojet vergraben wollten, hatte ich mich damals schon gefragt, was sie damit genau bezweckten. Der Artikel war nicht sehr lang, die Informationen in Bezug auf ihr Kunstprojekt eher spärlich, ich vergass ihn bald wieder. Doch neulich kam mir zu Ohren, dass sie weider aktiver sind und ein Interview mit einem Bekannten von mir planten, den sie in ihr Netzwerk einbeziehen wollten. Ich packte die Gelegenheit beim Schopfe und arrangierte die Möglichkeit, bei diesem Interview dabei zu sein und den beiden Jungs ebenfalls ein paar Fragen über ihr eigenes Projekt zu stellen. Also habe ich Freitag abend Otmar und Sascha getroffen,  die zwei netten Jungs, die ein Flugzeug unter die Erde bringen wollen. Bury the Jumbo eben.


Sascha und Otmar in voller Montur


Der Jet ist aber in diesem Sinne nur das Mittel zum Zweck, der da nämlich wäre, eine weltweite Gemeinschaft von Kreativen zu schaffen, die ihre Ideen miteinander teilen, sich gegenseitig helfen und inspirieren und eine Plattform für die Schaffung und Präsentation ihrer Werke suchen. Man will Leute miteinander vernetzen, das Ganze soll organisch wachsen, jeder, der etwas beiträgt – sei dies nun Geld, Räume oder sonstiges – wird automatisch Mitglied und erhält eine Stimme, die er dann nutzen kann, um über weitere Kooperationen mit Künstlern oder Kulturveranstaltern zu diskutieren.

Freitag abend also kamen Otmar und Sascha vorbei, da sie auch ein Video mit Marco Schneider von SupKultur machen wollten, um dieses dann auf ihre Webseite zu stellen, der bestehenden Community zu präsentieren und abzustimmen, ob man mit SupKultur in Zukunft gemeinsame Sache machen wollte. Nach ein paar Bierchen und ein bizeli Wein begann das Interview, das irgendwie zu stier geriet. Klar, am Tisch sitzen und Fragen und Antworten hin und her werfen ist nicht unbedingt sehr unterhaltsam. Hatte ein gewisses Tagesschau-Feeling an sich. Nach erster Sichtung des Materials wurde diese Idee also verworfen und ein zweiter Versuch gestartet. Schneider ab in eine mit Schaum gefüllte Wanne, so ist das Setting doch schon ansprechender. Hauptsache kreativ sein, nicht über starre Strukturen stolpern, sondern neue Wege gehen. Ausgesehen hat das Ganze dann so.





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Im Gespräch mit Otmar und Sascha merke ich, dass die beiden ein sehr genaues Ziel haben, das unserem Zeitgeist vielleicht ein wenig vorausgreift. Eine Gemeinschaft zu schaffen nämlich, deren kreativen Resultate und Ideen eigenständig und als Produkt vieler existieren ist zwar eine herausfordernde ebenso wie ansprechende Vision, ob dies allerdings in naher Zukunft erreicht werden kann, sei dahingestellt. In einer Zeit, in der jeder nach seinen 15 Minuten Ruhm strebt, Castingsshow Tausende von Retorten-Berühmtheiten produzieren und Künstler selten von ihren Werken übertrumpft werden wollen, sondern lieber sich selbst als Apotheose aller Kunst und Künstler präsentieren, kann es schwierig sein, das Gefühl vermitteln zu wollen, einer Idee oder einem Projekt und nicht der eigenen Person den Vorzug zu geben. Erst recht, wenn bei dem entstehenden Kunstwerk nicht mehr klar wird, wer der eigentliche Urheber ist. Hier schere ich vielleicht etwas allzu generell über den Kamm, dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass es schwierig sein könnte, mehrere Künstler unter einer Dachorganisation zu vereinigen. Im Laufe dieses Jahrhunderts wurden immer wieder Künstlerkollektive gegründet, die eine Weile lang zusammengearbeitet haben, doch die Zusammenarbeit verlieft letztlich immer im Sande. Sei dies nun wegen wechselnder künstlerische Ansichten oder wegen internen Streitereien, kein Kollektiv bestand über Jahrzehnte hinweg und produzierte immer wieder Werke, die dem gemeinschaftlichen kreativen Tun entsprangen. Sollte dies das Ziel von Bury the Jumbo sein, sehe ich es scheitern. Was allerdings dagegen spricht, ist, dass sich BTJ dessen bewusst zu sein scheint. Auch ist ihnen klar, dass jedes Projekt, das in einem globalen Rahmen stattfinden soll, einen globalen Aufhänger braucht, mit dem sich die Leute identifizieren können, in diesem Falle eben jener Jumbo, der zu vergraben ist und der allen Beteiligten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Errungenschaft geben soll.

BTJ weiss um die Probleme künstlerischer Zusammenarbeit und positioniert sich bewusst als eine Art offenes Atelier,  in dem Kooperation ermutigt, aber nicht erzwungen wird. Dank des Internets ist dieses offene Atelier weltweit betretbar, alle können daran teilnehmen, keiner muss. Gerade diese Offenheit und Spontaneität ist die Stärke von BTJ, könnte ihr aber auch zum Verhängnis werden, da es dadurch schwieriger wird, ein konkretes Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Der Jumbo soll dies erleichtern, allerdings (f)liegt der noch in weiter Ferne. Was aber immerhin schon vorhanden ist, ist ein Stück Land, auf dem er vergraben werden kann. Gespendet von einem Schweizer Bauern. Und die Community wächst weiter.

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Marcus Coates @ Kunsthalle Zurich

Posted in Kritiken, Performance by artbookas on Oktober 24, 2009


So I went to see Marcus Coates’ performance at the Kunsthalle in Zurich this Saturday. It was a bit strange. I hadn’t read anything about him, the only thing I knew was that he was going to answer questions posed by the audience in a shamanic way, emulating animals, their behaviour, and their noises in order to reach an answer to those questions. He chose animals as his medium because he has been fascinated by them (especially birds) ever since he was a child.


Coats,-Mic-and-TV


There were only a couple of people there. Coates was still setting up his material when I arrived. A whiteboard, a table with sound equipment, a TV playing an English movie about a lonely boy with a falcon, a mic standing in front of the TV. Suddenly some kind of classical music started playing, a string piece, which apparently initiated the performance. The sound was interweaved with a dialogue which I guess came from the movie but I couldn’t really tell. It could have been a radio show, an interview, anything that had two people talking. Coates wrote down the first question: Does travelling really bring you freedom? It sounded a bit like one of those questions you’d find in the preface of a Lonely Planet travel book. I was wondering but forgot to ask if he puts the questions in a box and then just takes one out or if he reads them beforehand and picks the ones he feels like answering on that particular day. Would have been interesting to know.


Coats

Coates went to the microphone, put on the headphones that were connected to the TV and one of those blindfolds you see people wearing on airplanes. Through the headphones he listened to a particular scene from the movie that affected him very much and served as an emotional enabler to get him into the right mood to cross over into animal world (I asked. After the performance, of course.). So far, so good. After a couple of minutes of concentrating, Coates began whistling, chirping, even using a jaw’s harp to create the noises, getting more and more into the role of some kind of bird. Considering his movements, I guess it could have been a peacock or maybe a partridge. I am no ornithologist but I watched a partridge video once and it kind of looked similar. Plus it would fit the question actually very well because according to Greek mythology (thanks Wikipedia) the first partridge appeared on earth when Daedalus threw his nephew Perdix off a roof during a fight. And as Shamanism is a very mystic endeavour, why not assume that Coates may have wanted to allude to Greek mythology? Myths and mysticism go very well together and after all, Daedalus himself was the one who built the wax wings with his son Icarus to escape from the tower where he was kept imprisoned (whomever wants to know more can read it up in Ovids Metamorphosis here). But let’s just for symbolic sake assume it was a partridge. I like it when things add up and this picks up the travelling and bird theme nicely. Maybe this connection was even intended by Coates, who knows. Should have asked. By the way, the partridge can fly but rarely does so for fear of being caught by its enemies.


So after being a bird for a while Coates took off the headphones and the blindfold, stood in front of the audience and started explaining what he had experienced. He told us that he had envisioned himself entering a forest somewhere in England, seeing many bCoats-doing-the-birdirds and then observing two buzzards flying high up in the air but still clearly visible. They seemed to be circling around and searching the ground for prey. One of the buzzards had a living snake in its claws. Coates began talking about what travelling could mean to him and others, what freedom could mean and that his idea of freedom was to be able to leave himself. We were then allowed to ask further questions and so I did. I was especially interested in why he had chosen to perform such a shamanic ritual in a museum and not in a more “appropriate” setting, whatever that would or could have been. Rituals for me live from the atmosphere they have to create in order to draw people into these spiritual heights, or depths. They need to feel that they’re entering a new dimension, a new world, something different that is being opened up to them and the location plays an important role in this procedure. I personally never participated in a ritual but what I gather from different spiritual or religious experiences, the place itself is quite important in establishing the aura of the event. So to have a shamanic ritual performed in a highly institutionalized and conventionalized space like the museum without having a strong or even just subtle link to it seemed a bit awkward or simply arbitrary, to say the least. Coates did say that the museum was not his preferred space and that he had been asked by the Kunsthalle to perform there. I would have liked to know what kind of venue he would have preferred but forgot to ask. He also added that if he gets paid to perform the ritual in a museum, he does it in a museum.


However, I was left a bit unsatisfied with that explanation. Coates explicitly said that he sees no art in his rituals and that it doesn’t even bother him if it is art or not since he’s more concerned with the shamanic dimension of it and how it was more of a spiritual, quasi-religious experience or introspection he was trying to reach. That is fine but I still think I probably would have been able to connect with it more if it had been … well, staged better. Differently. Whatever. I also wished there had been a little more to the performance itself. Art evolved from a spiritual background, cult objects and paintings are considered to be the first artworks, to put it bluntly and maybe a tad too generalized. So in my opinion there is a strong connection between these two complex and established belief systems of the religious and the art world which Coates failed to explore. It may be a bit of a stretch to consider the art world a belief system but I think it may be worth a discussion when confining it to art institutions such as museums and galleries. Maybe Coates never even intended to explore it but if he had wanted to concentrate solely on the shamanic ritual and not allude to any kind of artistic dimension, then a museum is the wrong place for such a performance. When Koons exhibited his artworks in the Versailles palace, there was a link there between what is considered the ancient “high art” and Koons highly controversial works balancing between kitsch and art. It created a dialogue about contemporary art which – as the artist put it in an interview with The Guardian: “...is so imprisoned in the present that juxtaposing new works with old ones allows you to rediscover a connection between history and the history of art.” and emphasizing that it was the place itself, the palace of Versailles, which offered him the adequate basis for doing so: “The baroque is the ideal context for me to highlight the philosophical nature of my work.“ So it seems like a bit of a loss to me that Coates didn’t explore that contextual connection at all because it could have led to some interesting discussions. But then again, he was there as a shaman and not as an artist.


I may also just belong to those people that Coates in the end described as the ones always looking for “art” in everything, artful statements, concepts, theories. That may be so but considering that I was in a place that usually displays art, I felt vindicated. If I go to a museum I expect at least to some degree to be involved with art. If I had wanted to participate in a shamanic ritual about introspection and spirituality, I would have searched for one (well, probably not) or at least would have wanted to participate in it on a different level and not by just merely asking him a question as if he were the local fortune teller or card reader. But I got there under the impression of getting to see a performance. An artistic performance, not an artist’s spiritual, shamanic performance. After all, I wouldn’t go to a synagogue and listen to Chagall saying a prayer either. I was left a bit disappointed with the whole thing and the answering of the question about travelling drifted off into general philosophizing about travel, freedom, and the self and wasn’t really all that interesting.

Coats-at-the-table


I somewhere read that Coates trained as a painter and has always been an amateur ornithologist. After he participated in a weekend course on shamanism he decided to focus on developing skills that would help him experience the world through the mind and body of an animal and then communicate the answers he received from entering that world to his audience. So he functions as a translator on some level between the animal world and our world, probably trying to draw parallels between these two large groups of living creatures on earth whose only difference is what? The direct access to conscious awareness we have and the ability to communicate it and improve our lives based on the experience we draw from such conscious reflections and actions? Don’t animals do the same in a more passive or indirect way and on a smaller scale, not so noticeable to us? After all, we know that they keep adapting to the environment as well, that they can learn and have memory. For anyone interested in these matters of consciousness in general, there is a very interesting essay by Thomas Nagel: “What it is like to be a bat” which discusses consciousness from a philosophical and neurobiological point of view, examining the concepts of consciousness and mind and how they can or cannot be researched (pdf-download here).


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Kunstdokumentationen online

Posted in Kunst im Netz by artbookas on Oktober 7, 2009

UBU

UbuWeb ist ein Online-Archiv bestehend aus Videos, Texten, Tonaufnahmen; alles vereint auf einer Webseite, die ohne institutionelle Unterstützung auskommt, weit entfernt ist von jeglichem akademischen Anspruch und vor allem eines bieten will: Zugang zu Arbeiten, die nicht in Museen hängen (können), vielleicht sogar nur einmal als erlebbares oder sogenannt ephemeres Werk (Performances, vergängliche Kunstwerke, etc.) existierten, aber glücklicherweise als Video- oder Tondatei überlebt haben. Die Plattform wurde 1996 gegründet mit dem Ziel, ein Präsentations- und Verbreitungskanal für visuelle, konkrete und Lautpoesie zu sein, hat sich aber im Laufe der Jahre weiter entwickelt und verschiedenste Arten der Avantgarde-Kunst aufgenommen. Ubu basiert auf der Idee der freien Verbreitung von Kunst und Ideen und bietet Videos von Walter Ruttmann, Fernand Leger, Marcel Duchamp, aber auch von zeitgenössischen Künstlern wie Dan Graham, Marina Abramovic, John Baldessari. Das Archiv gibt nicht nur einen Einblick in gängige Werke, sondern zeigt auch unbekanntere Videos und Performances, sowie zum Teil rare Interviewaufnahmen. Das Textarchiv ist reich an Poesie, Kunsttheorie, Reflexionen über Radio, Film und Konzeptkunst; Schriften, die zum Teil von Theoretikern, zum Teil von Künstlern verfasst wurden. Die Tonaufnahmen beinhalten Werke von John Cage, Interviews mit Jean-Luc Godard, Poesie-Lesungen aus den 70er Jahren von Patti Smith, Ton-Performances (um es mal so zu nennen) von Joseph Beuys; Aufnahmen, an die man sonst nur schwer herankommt. Die Stärke von Ubu liegt genau darin: schwer erhältliches Material zugänglich machen; neue Kontexte und Zusammenhänge schaffen, indem unterschiedliche Impulse auf einer Plattform vereint werden und immer neue hinzukommen. Man könnte Ubu als Rhizom sehen, ständig wachsend, um sich greifend und neue Verbindungen schaffend.

UbuWeb


Rhizome

Und da wir schon beim Rhizom sind: es gibt auch die Plattform Rhizome, die sich an das philosophische Konzept von Félix Guattari und Gilles Deleuze anlehnt. Es ist eine Webseite für und über Kunst, die moderne Technologien nutzt und in Arbeiten integriert. Begonnen hat es als E-Mail-Liste mit wenigen eingetragenen Künstlern, die sich eine von überall her zugängliche Plattform zur Schaffung von (u.a. auch Online-)  Kunst, zum Austausch von Ideen und Unterstützung bei der Realisation von technologisch anspruchsvollen Werken wünschten. Es hat sich aber weiterentwickelt zu einem Forum für Künstler, Theoretiker und Zuschauer, die interaktiv an Diskussionen, Kunstproduktionen und Workshops teilnehmen können. Man kann man mehr über Medienkunst erfahren, an Diskussionen und Symposien teilnehmen, sich mit anderen Künstlern austauschen. Ein grosses Archiv an Artikeln und Texten über vergangene Ereignisse, Workshops, etc., wird ebenfalls angeboten, dieses ist allerdings nur Mitgliedern zugänglich (Mitgliedschaft für alle erhältlich für 25$/Jahr). Als ein Ort, der Künstler und Publikum vereint und aus allen ein grosses Netzwerk bildet, entwickelt sich Rhizome immer weiter und wächst tagtäglich. Genau wie ein richtiges Rhizom.

rhizome


EAI – Electronic Arts Intermix

Eine umfassende Datenbank über Künstler, die sich ebenfalls vorwiegend mit elektronischer und Medienkunst beschäftigen, bietet Electronic Arts Intermix. Man kann nach Themen oder Künstlern suchen, die Biografien sind kurz und knapp geschrieben und geben eine gute Übersicht über deren Schaffen. Ebenfalls im Angebot: Bibliographien der Künstler, Werkzusammenstellungen mit kurzer Beschreibung und sogar die Möglichkeit, Arbeiten im Video- oder DVD-Format zu bestellen (auf der Webseite anschauen kann man diese aber nicht, es sind höchsten Stills vorhanden). Es ist eine der führenden internationalen Video- und Medienkunstplattformen, deren Kernanliegen die Erhaltung und Verbreitung von Video- und digitalen Kunstwerken ist. Da es EAI schon seit 1971 gibt, ist das Archiv und die inzwischen gesammelte Erfahrung mit diesen neuen Kunstformen sehr gross. Gerade im Gebiet der Aufbewahrung und Wiederherstellung alter Videobänder hat EAI Pionierarbeit geleistet.

eai


pdf-Mags

pdf-Mags ist eine Seite, die ich persönlich super finde, weil sie Links zu vielen kostenlosen pdf-Magazinen archiviert, die Leute weltweit aus Interesse an der Sache erstellt haben. Magazine veröffentlicht von Personen, die etwas zu sagen haben und sich nicht von hohen Produktions- und Druckkosten abschrecken lassen, sondern mit einfachsten Mitteln zum Teil wirklich tolle Zeitschriften hervorbringen. Die Gebiete sind vielfältig, eine Suchmaschine mit Schlüsselwörtern hilft beim schnellen Auffinden des gewünschten Themas, das – von Architektur über Kunst und Computer bis zu Comics, Gaming, Fashion – alles sein kann. Sogar das Schweizer “artstübli” ist vertreten.

pdf


Artforum – 500 words

Prima auch die Seite 500 Words der Online-Ausgabe der US-Zeitschrift Artforum, auf der Künstler in 500 Worten ihre Werke selber kommentieren. Sie schreiben über Grundgedanken, Anregungen und Positionen, die sie in ihren Arbeiten ausdrücken wollen. Das Ganze ist sehr simpel aufgebaut: ein Foto des Werks mit kurzer Beschreibung, eine Mini-Biographie des Künstlers, dann der von ihm/ihr verfasste Text. Klasse.


Michael Lüthy

Sehr empfehlenswert ist auch die Homepage von Michael Lüthy, einem deutschen Kunsthistoriker, der an der Freien Universität Berlin lehrt. Seine Schwerpunkte liegen vor allem auf der Auseinandersetzung mit Französischer Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, US-Amerikanischer Kunst nach 1945 und der Kunsttheorie der Moderne. Seine Texte sind klar, übersichtlich gegliedert und überaus lesenswert und ausserdem – ein schöner Bonus – als pdf-File herunterladbar. Liest man den Text im Netz, fehlen die Abbildungen, im File sind sie enthalten.


Tate Channel

Auch der Tate Channel des britischen Tate Museums veröffentlicht auf seiner Webseite mit Künstlern geführte Interviews in Videoform. Manchmal sind es schlicht Aufnahmen von Künstlergesprächen und -symposien, die in der Tate geführt wurden, bei denen hauptsächlich die Künstler das Wort hatten und ihre Technik, Konzepte und Philosophie anhand einer Werkauswahl diskutierten. Andere Male sind es Dokumentarfilme über einen Künstler, die man auf der Webseite ansehen kann. Kleine Perlen, die bis ins Jahr 2000 zurückreichen. Sehr interessant auch das Gespräch mit Martin Parr und seine Ausführungen über den Nutzen des Blitzes in der Fotografie und die dadurch stark veränderte Wahrnehmung des Abgebildeten.


Errol Morris Blog – New York Times

Ein Dokumentarfilmer bloggt über Fotografie. Und zwar auf sehr persönliche und philosophische Art und Weise. Ich mag Morris’ Blog, weil er berühmte Fotografen diskutiert, aber auch anhand persönlicher Fotos oder bekannter Bilder über das Thema Fotografie im Allgemeinen nachdenkt. Besonders sein Beitrag über den Wahrheitsgehalt von Fotografien (Liar, Liar, Pants on Fire) beleuchtet das Thema von allen Seiten und regt zum Nachdenken an. Der letzte Satz: “Pictures may be worth a thousand words, but there are two words that you can never apply to them: “true” and “false”.” In diesem Zusammenhang auch sehr interessant ist Frege’s Abhandlung Der Gedanke – Eine logische Untersuchung, die sich mit Wahrheit, Wahrsein, Ideen und Vorstellungen in Bildern und Gedanken befasst (pdf-File hier).


Graham Coulter-Smith – Website und Blog

Graham Coulter-Smith ist ein Kunsthistoriker der Staffordshire University in England, der eine Website und einen Blog unterhält. Auf der Webseite hat er 2006 sein BuchDeconstructing Installation Art veröffentlicht, das man online lesen kann; sein Blog artintelligence.net befasst sich mit zeitgenössischer Kunst. Es werden Werke besprochen, Bücher und Theorien vorgestellt und kritisiert und teilweise relevante Ausschnitte auch veröffentlicht. Er beschäftigt sich vor allem mit zeitgenössischer Kunst, Installationen und Performances (zu denen er, wenn möglich, Videos zeigt) und arbeitet momentan an einem zweiten Buch, “Transgressive Aesthetics”, das nach und nach auch im Blog veröffentlicht wird.


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Egger/Schlatter in der Loge Bern

Posted in Ausstellungen, Kritiken by artbookas on Oktober 4, 2009

Endlich hatte ich es gefunden. Ich hatte nach einer Galerie Ausschau gehalten, die Loge, die ich mir als einen schönen weissen Raum mit grossen Schaufenstern im Erdgeschoss eines schönen imposanten Gebäudes vorstellte, so wie alle Gebäude an der Speichergasse in Bern aussahen. Grau-grün bis zum Geht-nicht-mehr, aber schön, gross und eben, imposant. Hier wird Wichtiges getan, würde man annehmen. Denkste. Eine mobile Baubaracke war’s. Ich lief zwei Mal an dem Ort vorbei (und landete beim ersten Mal bei der evangelisch-methodistischen Kirche an der Nägeligasse 4, die dank der alten Berner Stadtplaner nahtlos an die Speichergasse anschliesst), weil die Baubaracke nun mal wie eine Baubaracke aussah und von Weitem gesehen nicht im Mindesten den Eindruck machte, dass sich da die Installation von Egger/Schlatter verbergen  könnte. Mit der Hausnummer 4 angeschrieben war sie auch nicht. Die Kunst erobert sich immer wieder neue Räume und wenn sie nicht da sind, dann werden sie eben hingekarrt, aufgestellt und am Ende abgebaut, als wäre nie etwas geschehen. Egal, ich war da, ich war froh.


In dieser kleinen Baubaracke also, vor deren Tür zwei etwas ältere Männer in Arbeiteranzügen sassen und mich argwöhnisch beobachteten (hatte die Ausstellung nicht so viele Besucher angezogen?), als ich über die Holzplanken lief und in das Baräckli hinein, war diese Installation, über die ich berichten sollte. Ein weisser Raum, wenig Licht, zu meiner Linken eine wie ein Gewächshaus aussehende Hütte, vor mir eine graue Sitzbank. Daneben 50 Glasquadrate auf dem Boden, eine Leinwand dahinter, ein mit grünem kunstgrasähnlichen Stoff bezogener, selbst zusammengeschusterter Holzsockel. Eigentlich kein Sockel, aber mir fehlen die richtigen Worte, um es zu beschreiben. Die Anordnung der Spiegel auf dem Boden vor der Leinwand evozierte ein wenig den Umriss der Schweizer Landesgrenzen, auf der Leinwand explodierte gerade ein Häuschen, das so ähnlich aussah wie das neben mir. War es auch, wie ich später merkte. Karg war er eingerichtet, dieser Raum. Ich begann zu fotografieren, ein Impuls; erst danach sah ich das Video, zählte die Spiegel, roch am stinkenden Pilz, der darauf wucherte und fragte mich, was der Sockel da sollte. Wieso stand nichts auf ihm, obwohl er sich doch von einem einsamen Lämpchen stolz beleuchtet der Welt zeigte? Immerhin ist es eine Art Sockel, ein Präsentationsstück par excellence. Leer.


eggerschlatter - Übersicht Raum


Aus dem Gewächshaus, in dem normalerweise unsere Nahrung oder hübsche Dekorationspflanzen hergezüchtet werden (à propos Gewächshaus: ein sehr lesenswerter Artikel im NZZ Folio über ein Gewächshaus-Experiment: acht Leute, ein paar Ziegen, Schweine, Hühner und die Tür zwei Jahre zu), traten im Video als Tiere verkleidete Menschen. Es waren mehr oder weniger domestizierte oder zumindest zum Haus- oder Kuscheltier degradierte (?) Exemplare: Kühe, Katzen, Hasen, gar ein Gorilla mit glitzerndem Krönchen, auch ein Bär, der stark an die Teddybären erinnert, die wohl die meisten in ihrer Kindheit besassen. Wir züchten uns unsere eigene, gesellschaftskonforme Flora und Fauna her, während andere Tiere vom Aussterben bedroht sind, weil sie nicht in unser Konzept einer „freien und wilden Natur“ passen. Die soll romantisch sein, schön, auf keinen Fall bedrohlich und nur angereichert mit Tierchen, die hübsch und harmlos sind und sein müssen, um eine Existenzberechtigung zu erhalten. Deshalb haben Egger/Schlatter vielleicht auch den Wolf gewählt in ihrem Video, der in der Schweiz in den letzten paar Jahren viele Schlagzeilen machte und schliesslich zum Abschuss freigegeben wurde. Bei ihnen wird er als Pappwolf von den possierlichen Kuscheltieren in den Boden gehämmert.


Das Video läuft in einer Endlosschlaufe und ist relativ simpel aufgebaut und mit Handkamera gedreht worden. Auf einer Alp während der Dämmerung sehen wir einen stark feminisierten, geschminkten Sänger im grünen Paillettenkleid, neben ihm sitzt die Akkordeonspielerieggerschlatter - sängern im roten Abendkleid und begleitet ihn, während er ein schwermütig melancholisches Lied singt. Falls es einen Text gibt, konnte ich ihn nicht verstehen, es klang eher danach, als würde er die Melodie nachsingen. Der Gesang wirkt altertümlich, die Musik ebenfalls, die Musikerin mit ihrem Nasenpiercing fällt da ein wenig aus dem Rahmen. Auch bei den Tier-Menschen (oder Menschen-Tieren?)  wird mit dem Dargestellten gebrochen durch das sichtbare Tragen der Armbanduhren und Ringe. Das Paar musiziert und singt also, sobald das Lied beendet ist, wird es von neuem begonnen. Vor ihnen liegen dieselben Spiegel auf dem Boden wie vor mir, man sieht sie im Video direkt, man sieht sie im Spiegel und im Ausstellungsraum gleich nochmals reflektiert durch die Spiegel auf dem Boden. Alles Reflektionen, man fragt sich fast, welches nun das Originalbild ist und was nur Reflektion. Interessant auch, dass der Pilz nur in der Ausstellung auf den Spiegeln wuchert, im Video kommt er nicht vor. Nun sieht man endlich auch den Grund für den leeren Sockel im Ausstellungsraum, im Video sitzt auf diesem nämlich eine Schnee-Eule, ein Tier, dass es in der Schweiz gar nicht gibt, kein Fabelwesen, aber eines, das durchaus an Mystik und verborgene Dimensionen denken lässt, die man nicht auf den ersten Blick erkennen kann.


eggerschlatter-Ausschnitt-Film-mit-Eule-und-Pappwolf


Während das Lied immer und immer wieder gesungen wird und dadurch die ganze Handlung ritualisiert, treten die Tiere aus dem Gewächshaus. Sie kommen schön in Reih und Glied, ein jedes trägt einen Pappwolf, den sie, sobald sie sich neben dem Duo befinden, in den Boden hämmern. Die Klopfgeräusche wirken fast schon hypnotisch, obwohl sie nicht gleichmässig sind. Eine auf den Spiegeln liegende Zündschnur wird gezündet, das Haus explodiert in einem Feuerwerk von bunten Sylvesterkrachern, man kann die Brandspuren noch erkennen an dem wiederaufgebauten Exemplar in der Loge. Das Feuerwerk ist laut, sprengt den Raum akustisch und visuell, erdrückt den Gesang. Hier wird mit Gewalt das Zuchthaus unserer Welt zerstört, die Zerstörung gleichzeitig gefeiert wie der Beginn eines neuen Jahres, das den Tieren Platz schafft für ihre eigene Entwicklung. Ohne menschliche Einwirkung, Umzüchtung, Dressur. Egger/Schlatter machen uns auf darauf aufmerksam, wie sehr der Mensch den Lebensraum dominiert, ihn verkünstelt, zu seinen eigenen Gunsten als Labor nutzt und alle anderen vorkommenden Lebewesen als Dekorationsstücke missbraucht, ausrottet, Herr über sie spielt. Dies scheint ein zentrales Thema in vielen Arbeiten des Künstlerduos zu sein, es wird immer wieder aufgegriffen, um neue Aspekte daran zu beleuchten. Welche Räume haben wir uns geschaffen, was musste dafür weichen und ist es berechtigt? Mit diesen Fragen beschäftigte ich mich, als ich die Ausstellung nach einer guten Stunde verliess. Die Männer draussen waren weg. Es begann zu dämmern. Ich ging heim, in meinen eigenen Raum. Nach einer einstündigen Fahrt in einem völlig überfüllten Zug.


eggerschlatter - feuerwerkfeuerwerk3feuerwerk4

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Also…

Posted in Uncategorized by artbookas on September 21, 2009

hier der Blog. Foto wird folgen, allerdings nicht von mir und wenn, dann stark verfremdet. Bin kein Freund von digital veröffentlichten, persönlichen Informationen im wilden weiten Web und werde diese daher auf einem Minimum halten. Dies ist ein Blog, der im Rahmen der Übung Webbasierte Dokumentation zeitgenössischer Kunst des Kunsthistorischen Institutes der Universität Zürich aufgeschaltet wurde und vor allem der Veröffentlichung von Artikeln über verschiedene Kunstausstellungen und Performances dient. Vorläufig befristet bis Ende 2009, wird er je nach Interesse, Motivation, Disziplin und Zeitorganisation auch darüber hinaus noch weitergeführt. Vielleicht auch nicht. Who knows. Enjoy.

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